Altersvorsorgedepot – Moderne Vorsorge mit staatlicher Förderung und mehr Renditechancen
Mit dem Start ins Jahr 2027 beginnt ein neuer Abschnitt in der geförderten Altersvorsorge. Das Altersvorsorgedepot löst die Riester‑Rente für Neuverträge ab und wird zum zentralen staatlich geförderten Produkt. Die gesetzlichen Grundlagen sind seit Mai 2026 rechtskräftig, und erste Anbieter befinden sich bereits im Zertifizierungsprozess.
Für alle, die sich mit langfristiger Vorsorge beschäftigen, ist entscheidend zu verstehen, wie das neue Modell funktioniert, welche Fördermöglichkeiten bestehen und worin sich die Angebote unterscheiden. Gemeinsam mit unserem Partner Union Investment begleiten wir diesen Übergang und sorgen dafür, dass Sie die neue Produktwelt klar und zuverlässig einordnen können.
Einführungstermin: Das Altersvorsorgedepot wird zum 1. Januar 2027 eingeführt und ersetzt die Riester-Rente für alle neu abgeschlossenen Verträge.
Förderleistungen: Jährlich sind bis zu 540 Euro Grundzulage möglich, hinzukommen bis zu 300 Euro Kinderzulage für jedes kindergeldberechtigte Kind sowie ein einmaliger Berufseinsteigerbonus in Höhe von 200 Euro.
Anlagestrategie: Im Vergleich zu klassischen Riester-Produkten sind deutlich höhere Aktienquoten zulässig, wobei die Wahl zwischen einer Variante mit und ohne Beitragsgarantie besteht.
Kostenregulierung: Für zertifizierte Standarddepots gilt eine gesetzlich festgeschriebene Kostenobergrenze von maximal 1,0 Prozent pro Jahr.
Bestandsschutz: Bereits bestehende Riester-Verträge bleiben unverändert gültig und können ab 2027 auf freiwilliger Basis in ein Altersvorsorgedepot übertragen werden.
Auszahlmodalitäten: Zur Wahl stehen ein flexibler Auszahlplan, bis zum 85 Lebensjahr oder eine lebenslange Renten aus einer Versicherung. Zusätzlich ist zu Rentenbeginn eine einmalige Teilkapitalentnahme von bis zu 30 Prozent des angesparten Vermögens möglich.
Hauptzielgruppen: Das Altersvorsorgedepot erweist sich als besonders attraktiv für Berufseinsteiger, Familien mit Kindern, Geringverdienende, Selbstständige sowie Bestandskunden der Riester-Rente.
Hintergründe und Motivation für die Einführung des Altersvorsorgedepots
Die Riester-Rente wurde in den vergangenen Jahren zunehmend kritisch betrachtet. Sie galt als zu komplex, wenig renditestark und für viele Verbraucher nur schwer durchschaubar. Die starren Beitragsgarantien zwangen die Anbieter dazu, erhebliche Teile des angesparten Vermögens in sichere, aber niedrig verzinste Anleihen zu investieren. Auf diese Weise blieben die langfristigen Chancen der Aktienmärkte weitgehend ungenutzt – ein entscheidender Nachteil, insbesondere für Anleger mit langen Anlagehorizonten.
Genau an diesem Punkt setzt das Altersvorsorgedepot an. Der Gesetzgeber reagiert mit der Reform auf ein verändertes Vorsorgeverständnis in der Bevölkerung: mehr digitale Prozesse, mehr Wahlfreiheit bei der Geldanlage, bessere Renditechancen und weniger erzwungene Garantien stehen im Mittelpunkt des neuen Konzepts.
Seit der Verkündung des Reformgesetzes Ende Mai 2026 ist der rechtliche Rahmen verbindlich festgelegt. Damit steht der Fahrplan für die Einführung des Altersvorsorgedepots zum 1. Januar 2027. Parallel dazu haben die Anbieter die Möglichkeit, ihre Produkte bei den zuständigen Aufsichtsbehörden zertifizieren zu lassen. Dieser Prozess läuft bei mehreren großen Häusern bereits auf Hochtouren, sodass zum Starttermin voraussichtlich eine breite Produktpalette zur Verfügung stehen wird.
Die entscheidenden Verbesserungen gegenüber der Riester-Rente
Im Vergleich zur Riester-Rente bringt das Altersvorsorgedepot eine Reihe struktureller Neuerungen mit sich, die es zu einem zukunftsfähigen Vorsorgeprodukt machen:
Die Kapitalanlage darf wesentlich stärker auf Aktien setzen, was über längere Anlagezeiträume historisch betrachtet zu deutlich höheren Renditen geführt hat.
Die staatliche Förderung ist nicht mehr an starre Mindestbeiträge gekoppelt, sondern wirkt proportional zum tatsächlich eingezahlten Betrag. Dies kommt insbesondere Gering- und Normalverdienern zugute.
Die Produkte sind durchgängig digital zugänglich, transparenter in ihrer Kostenstruktur und einfacher zu verstehen als klassische Riester-Verträge.
In der Auszahlphase eröffnen sich neue Freiheitsgrade: Sparer können zwischen einem Auszahlplan bis zum 85. Lebensjahr und einer klassischen lebenslangen Rente aus einer Versicherung.
Die Funktionsweise des Altersvorsorgedepots im Detail
Das Altersvorsorgedepot ist im Wesentlichen ein Vorsorgevertrag, der mit staatlichen Zulagen und gegebenenfalls zusätzlichen Steuervorteilen gefördert wird. Sparerinnen und Sparer zahlen jährlich einen frei wählbaren Betrag ein. Dieser Eigenbeitrag wird durch die staatliche Zulage aufgestockt und anschließend in ausgewählte Fondsprodukte investiert. Je nach gewählter Vertragsvariante erfolgt die Anlage entweder mit oder ohne Beitragsgarantie.
Die Funktionsweise ist bewusst einfach und nutzerfreundlich gestaltet: Man entscheidet sich für eine Produktvariante und einen zertifizierten Anbieter, richtet einen regelmäßigen Sparplan – meist monatlich – ein und erhält die Förderung in der Regel automatisch gutgeschrieben, sofern die persönlichen Daten korrekt hinterlegt sind. Die eigentliche Geldanlage wird professionell gesteuert, breit über zahlreiche Einzelwerte gestreut und folgt klar definierten Regeln, die den langfristigen Vermögensaufbau in den Mittelpunkt stellen.
Fondsbasierte Geldanlage mit professioneller Portfoliosteuerung
Staatliche Förderung mit proportionaler Berechnung zum eingezahlten Beitrag
Wahlmöglichkeit zwischen einem Modell mit Beitragsgarantie und einem chancenorientierten Modell ohne Garantie
Flexible Auszahlphase ab Rentenbeginn mit mehreren Optionen
Übertragbarkeit bestehender Riester-Guthaben ab 2027
Kleine Beiträge mit großer Hebelwirkung
Ein anschauliches Beispiel verdeutlicht die Attraktivität der Förderung: Bereits ein Jahresbeitrag von 360 Euro wird mit 50 Prozent bezuschusst, was einer Zulage von 180 Euro entspricht. Der tatsächliche finanzielle Aufwand für den Sparer liegt damit bei nur 360 Euro, während das Altersvorsorgedepot bereits im ersten Jahr über ein Startkapital von 540 Euro verfügt. Wer diesen Betrag über mehrere Jahrzehnte regelmäßig einzahlt, profitiert gleich doppelt: von der großzügigen staatlichen Förderung und von Wertentwicklungen an den Kapitalmärkten.
Gegenüberstellung: Altersvorsorgedepot versus Riester-Rente
Die folgende Übersicht zeigt die wesentlichen Unterschiede zwischen den beiden Vorsorgesystemen:
Merkmal
Riester-Rente (Bestand)
Altersvorsorgedepot (ab 2027)
Beitragsgarantie
Verpflichtend
Wählbar – mit oder ohne Garantie
Aktienquote
Meist gering, stark reguliert
Deutlich höher, insbesondere ohne Garantie
Förderung
Fixe Grundzulage von 175 Euro
Proportionale Grundzulage bis 540 Euro
Kinderzulage
185 bis 300 Euro je Kind
Bis zu 300 Euro je Kind
Anbieterkreis
Versicherer, Banken, Fondsgesellschaften
Zusätzlich Neobroker und Direktbanken
Kostenstruktur
Häufig hohe Verwaltungskosten
Gesetzlicher Kostendeckel von 1,0 % für Standarddepots
Auszahlung
Verrentung meist obligatorisch
Auszahlplan bis zum 85 Lebensjahr oder eine lebenslange Rente wählbar
Bestandsschutz
Läuft unverändert weiter
Neuprodukt, Umschichtung aus Riester möglich
Diese Gegenüberstellung macht deutlich, dass das Altersvorsorgedepot nicht als bloßer Ersatz, sondern vielmehr als konsequente Fortentwicklung der Riester-Rente zu verstehen ist. Bestehende Verträge bleiben unberührt, während das neue Produkt zusätzliche Spielräume für alle eröffnet, die ab 2027 erstmals vorsorgen oder ihre bestehende Vorsorge optimieren möchten.
Riester-Bestandsverträge und Umschichtungsoptionen ab 2027
Mit der Einführung des Altersvorsorgedepots bleibt die Riester-Rente vollständig bestandsgeschützt. Wer bereits einen Riester-Vertrag besitzt, muss keinerlei Maßnahmen ergreifen – der Vertrag läuft unverändert mit allen bisherigen Konditionen weiter. Neu ist jedoch die Option, ein vorhandenes Riester-Guthaben in ein Altersvorsorgedepot zu übertragen.
Ob eine solche Umschichtung Sinn macht, hängt von verschiedenen Faktoren ab: der verbleibenden Vertragslaufzeit, der Höhe des bereits angesparten Guthabens, der individuellen Risikobereitschaft und der gewünschten Aktienquote.
Für jüngere Sparer mit noch langem Anlagehorizont kann ein Wechsel in ein Altersvorsorgedepot ohne Garantie durchaus attraktiv sein, da die höhere Aktienquote über viele Jahre bessere Renditechancen bietet. Wer hingegen kurz vor dem Rentenbeginn steht, wird in vielen Fällen die Sicherheit des bestehenden Riester-Vertrags vorziehen.
Das Altersvorsorgedepot ist damit keine Pflichtlösung, sondern eine zusätzliche Option für alle, die ihre Altersvorsorge moderner, flexibler und renditeorientierter ausrichten möchten.
Fair, proportional und transparent - die Förderung durch den Staat
Die Fördermöglichkeiten des Altersvorsorgedepots zählen zu den attraktivsten Fördermodellen im deutschen Vorsorgemarkt. Sie sind bewusst niedrigschwellig gestaltet und richten sich gleichermaßen an Geringverdienende, Familien und Besserverdienende. Anders als bei der Riester-Rente ist die Förderung nicht an starre Mindestbeiträge gebunden, sondern wächst proportional mit dem eingezahlten Betrag – ein wichtiger Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit und Transparenz.
Die Förderbestandteile im Einzelnen
Grundzulage: Bis zu 540 Euro jährlich
Kinderzulage: Bis zu 300 Euro pro Kind und Jahr
Berufseinsteigerbonus: Einmalig 200 Euro für den Einstieg ins Altersvorsorgedepot
Steuervorteile: Beiträge können zusätzlich als Sonderausgaben in der Steuererklärung geltend gemacht werden
Günstigerprüfung: Das Finanzamt prüft automatisch, ob die Zulage oder die Steuerersparnis für den jeweiligen Steuerpflichtigen vorteilhafter ist, und wendet die günstigere Variante an.
Rechenbeispiele zur Förderung
Die folgenden Beispiele verdeutlichen die konkrete Wirkung der Förderung in verschiedenen Lebenssituationen:
Fallbeispiel
Jahresbeitrag
Berechnung der Förderung
Gesamtförderung
Grundmodell
360 Euro
50 % auf 360 Euro
180 Euro
Familie mit zwei Kindern
1.800 Euro
540 Euro Grundzulage + 600 Euro Kinderzulage
1.140 Euro
Berufseinsteiger
1.000 Euro
390 Euro Grundzulage + 200 Euro Bonus
590 Euro
Einpersonenhaushalt
1.200 Euro
180 Euro (50 % auf 360 Euro) + 210 Euro (25 % auf 840 Euro)
390 Euro
Geringverdienende
600 Euro
180 Euro (50 % auf 360 Euro) + 60 Euro (25 % auf 240 Euro)
240 Euro
Hohe Einzahlung
2.400 Euro
Kappung bei maximaler Grundzulage
540 Euro
Besonders auffällig ist die degressive Förderstufe: Die ersten 360 Euro Jahresbeitrag werden mit 50 Prozent besonders stark gefördert, darüber hinausgehende Beiträge bis zur Förderobergrenze noch mit 25 Prozent. Dies begünstigt insbesondere kleinere und mittlere Sparbeträge – ein bewusster politischer Anreiz, damit möglichst viele Menschen unabhängig vom Einkommen ein Altersvorsorgedepot eröffnen können.
Für eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern kann die Förderung des Altersvorsorgedepots einen erheblichen Teil der Einzahlung übernehmen. Bei einem Eigenbeitrag von 1.800 Euro Beträgt die Zulage mit 1.140 Euro fast zwei Drittel der Einzahlung ab – ein Effekt, den kaum ein anderes Vorsorgeprodukt in dieser Form bietet.
So könnte sich Ihr Altersvorsorgedepot entwickeln
Jetzt einfach ausrechen - mit dem Altersvorsorgedepot-Rechner
Die Entwicklung Ihres Altersvorsorgedepots hängt von Ihrer persönlichen Situation ab – also beispielsweise von Ihrem geplanten Beitrag, der Wertentwicklung, Ihrer Familiensituation, Ihrem Chancen‑Risiko‑Profil sowie von Ihrem Einkommen, damit Sie Ihre Beiträge steuerlich absetzen können. Unser Rechner zeigt Ihnen in wenigen Schritten, welche Förderung für Sie möglich ist – und wie sich Ihr Altersvorsorgedepot insgesamt entwickeln könnte.
Die verschiedenen Produktvarianten im Vergleich
Anbieter wie Union Investment planen für ihr Altersvorsorgedepot mehrere Produktlinien, die unterschiedliche Risikoprofile abdecken. Diese Struktur dürfte richtungsweisend für den gesamten Markt sein, da der Gesetzgeber ein Standardprodukt zwingend vorschreibt, während weitere Varianten optional angeboten werden können.
pict_1-pos_96.svg
Das Standardprodukt – aktiv verwaltete ETFs als gesetzliche Basis
Das Standardprodukt ist für jeden zertifizierten Anbieter gesetzlich vorgeschrieben und arbeitet mit aktiv verwalteten ETF-Strategien. Es bietet in der Ansparphase eine hohe Aktienquote und reduziert das Risiko automatisch in den letzten Jahren vor Rentenbeginn nach einem sogenannten Lebenszyklusmodell.
Typische Merkmale:
Gesetzlicher Kostendeckel von maximal 1,0 Prozent jährlich
Hohe Aktienquote von bis zu 100 Prozent in der frühen Ansparphase
Automatische Risikoreduktion in den letzten fünf Jahren vor Rentenbeginn
Breite Streuung über globale Aktien- und Anleihemärkte
pict_2-pos_96.svg
Die Variante mit Garantie – Sicherheit für die eingezahlten Beträge
Für sicherheitsorientierte Anleger bietet das Altersvorsorgedepot mit Garantie eine vollständige Absicherung der eingezahlten Beiträge und Zulagen. Die Steuerung erfolgt über ein sogenanntes CPPI-Modell (Constant Proportion Portfolio Insurance), das bei Marktschwankungen automatisch Kapital in sichere Anlagen umschichtet.
Typische Merkmale:
100 Prozent Garantie auf eingezahlte Beiträge und Zulagen
CPPI-Modell zur dynamischen Umschichtung zwischen risikoreichen und sicheren Anlagen
Fokus auf Kapitalerhalt statt maximaler Rendite
Planbare Wertentwicklung, geeignet für risikoscheue Sparer kurz vor dem Rentenbeginn
Variante
Aktienquote
Garantie
Renditechancen
Geeignet für
Standardprodukt
Hoch, mit Lebenszyklusmodell
Nein
Mittel bis hoch
Breite Zielgruppe, unentschlossene Sparer
Mit Garantie
Niedrig bis moderat
Ja, 100 %
Niedrig bis mittel
Sicherheitsorientierte Sparer, kurz vor Renteneintritt
Steuerliche Behandlung in der Anspar- und Auszahlphase
Während der Ansparphase profitiert das Altersvorsorgedepot von einer steuerfreien Wertentwicklung. Kursgewinne innerhalb des Depots werden nicht laufend besteuert, wie es etwa bei einem freien ETF-Depot durch die Abgeltungssteuer der Fall wäre. Erst in der Auszahlphase erfolgt eine nachgelagerte Besteuerung: Die Auszahlungen aus dem Altersvorsorgedepot werden dann mit dem individuellen Steuersatz im Rentenalter versteuert, der bei den meisten Menschen niedriger liegt als während der aktiven Erwerbsphase.
Zusätzlich greift während der Einzahlungsphase die bereits erwähnte Günstigerprüfung: Das Finanzamt vergleicht automatisch, ob die staatliche Zulage oder eine mögliche Steuerersparnis durch den Sonderausgabenabzug für die jeweilige Person vorteilhafter ist, und wendet automatisch die günstigere Variante an. Dadurch profitieren auch Besserverdienende, deren Steuervorteil durch den Sonderausgabenabzug die reine Zulage übersteigen kann, in vollem Umfang vom Fördersystem des Altersvorsorgedepots.
Die Auszahlphase – flexibel und selbstbestimmt
Mit Beginn der Auszahlphase stehen mehrere Wege offen. Das Altersvorsorgedepot bietet dabei deutlich mehr Freiheit als die Riester-Rente und lässt sich individuell an die persönliche Lebenssituation anpassen.
Der Auszahlplan läuft mindestens bis zum 85. Lebensjahr. Das Kapital bleibt dabei weiter investiert und kann rechnerisch weiterwachsen, während regelmäßige Auszahlungen erfolgen. Die Höhe dieser Auszahlungen lässt sich flexibel an die eigenen Bedürfnisse anpassen, was insbesondere für Rentner mit schwankendem Einkommensbedarf von Vorteil ist.
Alternativ kann das im Altersvorsorgedepot angesparte Vermögen in eine Rentenversicherung übertragen werden. Diese bietet planbare, lebenslange Zahlungen und damit finanzielle Sicherheit bis ins hohe Alter – unabhängig davon, wie alt man tatsächlich wird. Diese Option eignet sich besonders für Menschen, die Wert auf verlässliche, konstante Einkünfte legen.
Zusätzlich ist zu Rentenbeginn eine einmalige Teilkapitalentnahme von bis zu 30 Prozent des angesparten Kapitals möglich. Das eröffnet Spielraum für größere Anschaffungen, die Tilgung einer Immobilie oder andere persönliche Vorhaben, ohne die grundsätzliche Altersvorsorgefunktion des Depots zu gefährden.
Für wen sich das Altersvorsorgedepot besonders lohnt
Das Altersvorsorgedepot ist so konzipiert, dass es für sehr unterschiedliche Lebenssituationen attraktiv ist. Die folgende Übersicht zeigt, welche Zielgruppen besonders profitieren.
Berufseinsteiger: Sie profitieren vom einmaligen 200-Euro-Bonus und können durch einen frühen Start im Altersvorsorgedepot besonders lange von Wertentwicklungen am Kapitalmarkt profitieren. Wer bereits mit 25 Jahren beginnt, hat einen Anlagehorizont von rund 40 Jahren bis zur Rente – ein Zeitraum, in dem sich selbst kleinere monatliche Beiträge zu beträchtlichen Vermögen aufbauen können.
Familien: Mit Kinderzulagen von bis zu 300 Euro pro Kind steigt die Förderung im Altersvorsorgedepot deutlich. Gerade für Familien mit mehreren Kindern kann die Zulage einen Großteil des eigenen Beitrags ersetzen, was die finanzielle Belastung spürbar reduziert.
Geringverdienende: Die proportionalen Förderquoten machen bereits kleine Beiträge im Altersvorsorgedepot besonders wirksam, da die ersten 360 Euro Jahresbeitrag mit 50 Prozent gefördert werden. Dies ermöglicht auch Menschen mit niedrigem Einkommen einen effektiven Vermögensaufbau.
Selbstständige: Sie profitieren von der Flexibilität, Beiträge je nach wirtschaftlicher Lage anzupassen, da ihr Einkommen oft stärker schwankt als das von Angestellten
Riester-Bestandskunden: Bestehende Verträge bleiben unverändert bestehen und können ab 2027 in ein Altersvorsorgedepot übertragen werden, wenn eine höhere Aktienquote gewünscht ist. Dies eröffnet eine zusätzliche Option zur Optimierung der eigenen Altersvorsorge.
Risiken und Grenzen des Altersvorsorgedepots
Trotz der attraktiven Förderung ist das Altersvorsorgedepot kein Selbstläufer ohne Risiko. Bei Varianten ohne Beitragsgarantie kann der Wert der Fondsanteile schwanken und zeitweise unter den Wert der eingezahlten Beträge fallen. Wer kurzfristig auf das angesparte Kapital zugreifen möchte, sollte bedenken, dass das Altersvorsorgedepot grundsätzlich bis zum Rentenbeginn gebunden ist – eine vorzeitige Verfügung ist nur in engen gesetzlichen Ausnahmefällen möglich.
Zudem gilt: Ein niedriger Kostendeckel allein garantiert keine hohe Rendite. Wer sich für ein Altersvorsorgedepot mit Beitragsgarantie entscheidet, verzichtet automatisch auf einen Teil der Renditechancen, da ein erheblicher Anteil des Kapitals in sicherere, aber renditeärmere Anlagen fließen muss. Die Wahl der passenden Produktvariante sollte deshalb immer zur individuellen Risikobereitschaft und zum verbleibenden Anlagehorizont passen.
Ein weiterer Aspekt betrifft die Abhängigkeit von den Kapitalmärkten. In Phasen sinkender Kurse kann der Depotwert deutlich sinken, was insbesondere kurz vor Rentenbeginn problematisch sein kann. Zwar sieht das Lebenszyklusmodell eine automatische Risikoreduktion vor, dennoch bleibt ein gewisses Marktrisiko bestehen. Anleger sollten sich dieser Risiken bewusst sein und ihre Entscheidung entsprechend treffen.
Häufige Fehler beim Umgang mit dem Altersvorsorgedepot vermeiden
Auch wenn das neue Altersvorsorgedepot einfacher gestaltet ist als sein Vorgänger, gibt es typische Stolperfallen, die Sparerinnen und Sparer im Blick behalten sollten:
Förderhöchstgrenze ignorieren: Wer deutlich mehr als 1.800 Euro jährlich einzahlt, erhält für den überschießenden Betrag keine zusätzliche Zulage mehr – dieser Teil wächst dann zwar steuerbegünstigt, aber ohne staatlichen Zuschuss.
Falsche Produktvariante wählen: Wer kurz vor der Rente steht und trotzdem eine Variante ohne Garantie wählt, geht ein Risiko ein, das nicht mehr zum verbleibenden Anlagehorizont passt.
Persönliche Daten nicht aktuell halten: Ohne korrekt hinterlegte Steuer-ID oder Rentendaten kann sich die automatische Zulagenbeantragung verzögern.
Riester-Umschichtung übereilt vornehmen: Ein Wechsel sollte erst nach einem genauen Vergleich der bisherigen Konditionen erfolgen, da nicht jeder bestehende Riester-Vertrag automatisch schlechter ist als ein neues Altersvorsorgedepot.
Kosten unterschätzen: Auch innerhalb des gesetzlichen Kostendeckels von 1,0 Prozent können sich Anbieter deutlich unterscheiden – ein Vergleich lohnt sich, bevor man sich langfristig bindet.
Rechenbeispiel: Selbstständige und unregelmäßiges Einkommen
Auch für Selbstständige lohnt sich ein genauerer Blick auf das Altersvorsorgedepot. Anders als Angestellte haben Selbstständige oft ein stärker schwankendes Einkommen und schätzen deshalb die Flexibilität bei der Beitragshöhe.
Ein Beispiel verdeutlicht dies: Eine selbstständige Grafikdesignerin zahlt in einem guten Geschäftsjahr 2.000 Euro in ihr Altersvorsorgedepot ein und erreicht damit die maximale Grundzulage von 540 Euro. Im folgenden, wirtschaftlich schwächeren Jahr reduziert sie ihren Beitrag auf 500 Euro und erhält proportional dazu eine Förderung von 180 Euro für die ersten 360 Euro plus 25 Prozent auf die restlichen 140 Euro, insgesamt also 215 Euro.
Diese Flexibilität bei der Beitragshöhe – ohne Vertragsstrafen oder Nachzahlungspflichten – macht das Altersvorsorgedepot gerade für Selbstständige attraktiver als viele klassische Rürup- oder Riester-Verträge, bei denen feste Mindestbeiträge häufig zum Problem werden.
Rechenbeispiel: 30 Jahre Sparen im Altersvorsorgedepot
Um die langfristige Wirkung zu veranschaulichen, lohnt sich ein einfaches Rechenbeispiel. Eine 35-jährige Person zahlt monatlich 150 Euro – also 1.800 Euro jährlich – in ein Altersvorsorgedepot ohne Garantie ein. Damit erreicht sie bereits die maximale Grundzulage von 540 Euro pro Jahr. Insgesamt fließen so jedes Jahr 2.340 Euro in das Depot, wovon der eigene Beitrag nur 1.800 Euro beträgt.
Bei einer angenommenen durchschnittlichen jährlichen Wertentwicklung von 6 Prozent über 30 Jahre – ein Wert, der historisch für global gestreute Aktienfonds nicht unrealistisch ist, aber keine Garantie für die Zukunft darstellt – kann sich daraus ein beträchtliches Vorsorgevermögen aufbauen. Der eigene Kapitaleinsatz über die gesamte Laufzeit liegt bei 54.000 Euro, während die staatliche Förderung allein rund 16.200 Euro beisteuert. Der Rest des Endkapitals entsteht durch die Wertentwicklung am Kapitalmarkt. Dieses Beispiel zeigt exemplarisch, warum ein frühzeitiger Einstieg ins Altersvorsorgedepot so wirkungsvoll ist: Je länger der Anlagehorizont, desto stärker wirken Wertentwicklungen und Förderung zusammen.
pict_basis-mail-2_96.svg
Gut informiert durch die Reform – mit unserem Newsletter auf dem neuesten Stand
Die Reform der privaten Altersvorsorge bringt ab 2027 ein neues gefördertes Vorsorgeprodukt: das Altersvorsorgedepot. Es ersetzt die Riester‑Rente für Neuverträge, während bestehende Riester‑Verträge weiterhin vollständig geschützt bleiben. Förderung, Garantien und Vertragsbedingungen laufen unverändert weiter.
Mit dem Altersvorsorgedepot entstehen zusätzliche Wahlmöglichkeiten, die ohne Zeitdruck geprüft werden können. Ob ein bestehender Vertrag fortgeführt wird oder der Einstieg in die neue Fördersystematik sinnvoll ist, hängt von Faktoren wie Alter, Restlaufzeit und Risikoprofil ab. Wir unterstützen Sie dabei, die neue Produktwelt klar einzuordnen und die passende Option zu finden – gemeinsam mit unserem Partner Union Investment.
Wer regelmäßig informiert bleiben möchte, sollte unseren Newsletter abonnieren. So erhalten Sie alle wichtigen Updates rund um das Altersvorsorgedepot direkt und kompakt.
FAQ – Häufige Fragen zum Altersvorsorgedepot
Wer kann ein Altersvorsorgedepot abschließen?
Grundsätzlich alle gesetzlich Rentenversicherten sowie viele Selbstständige. Die genauen Zugangsvoraussetzungen regelt das Reformgesetz, das seit Ende Mai 2026 in Kraft ist.
Wie hoch ist die Förderung beim Altersvorsorgedepot?
Bis zu 540 Euro Grundzulage jährlich, bis zu 300 Euro Kinderzulage pro Kind sowie ein einmaliger Berufseinsteigerbonus von 200 Euro.
Was passiert mit meinem bestehenden Riester-Vertrag?
Er bleibt vollständig bestandsgeschützt und läuft unverändert weiter. Ab 2027 besteht die Möglichkeit, das Guthaben freiwillig in ein Altersvorsorgedepot zu übertragen.
Gibt es beim Altersvorsorgedepot eine Garantie?
Ja – aber nur, wenn die Sparerin oder der Sparer sich dafür entscheidet. Varianten ohne Garantie bieten dafür höhere Renditechancen.
Wie funktioniert die Auszahlphase im Altersvorsorgedepot?
Es besteht die Wahl zwischen einem Auszahlplan, der mindestens bis zum 85. Lebensjahr läuft, und einer lebenslangen Renten aus einer Versicherung. Zusätzlich ist eine Teilkapitalentnahme von bis zu 30 Prozent zu Rentenbeginn möglich.
Welche Produkte bieten wir über die Union Investment an?
Standardprodukt (aktive ETFs)
Produkt mit Garantie (100 % Beitragsgarantie)
Lohnt sich ein Wechsel vom Riester-Vertrag ins Altersvorsorgedepot?
Das hängt von individuellen Faktoren ab, etwa vom Alter, der Restlaufzeit des bisherigen Vertrags und der persönlichen Risikobereitschaft. Für jüngere Sparer mit langem Anlagehorizont kann ein Wechsel wegen der höheren Aktienquote sinnvoll sein, für ältere Sparer kurz vor der Rente ist die Sicherheit des bestehenden Riester-Vertrags oft vorzuziehen.
Rechtlicher Hinweis: Die auf dieser Seite dargestellten Informationen basieren auf dem aktuellen Gesetzgebungsstand (März 2026). Änderungen im parlamentarischen Verfahren sind möglich. Fondsanlagen sind mit Risiken verbunden. Der Wert der Fondsanteile kann schwanken und unter den Wert der eingezahlten Beträge fallen. Beim Altersvorsorgedepot besteht nicht zwingend eine Beitragsgarantie. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse. Die dargestellten Rechenbeispiele dienen der Veranschaulichung und stellen keine Zusage künftiger Wertentwicklungen dar. Steuerliche Auswirkungen hängen von der persönlichen Situation ab – wenden Sie sich für eine individuelle Einschätzung an Ihre Steuerberaterin oder Ihren Steuerberater.