Regionale Unterschiede beim Kauf: Energiezustand und Sanierungsdruck im Vergleich
Die Wahrscheinlichkeit, dass nach einem Hauskauf eine energetische Sanierung notwendig oder zumindest sinnvoll ist, variiert je nach Region. Die Unterschiede zeigen sich sowohl in der Bestandsqualität und den Energieeffizienzklassen als auch im Sanierungsdruck und den regionalen Förderkulissen.
Ostdeutsche Städte schneiden hinsichtlich der Energieeffizienz oft besser ab als westdeutsche. In Schwerin liegen nur 5,1 Prozent der zum Kauf stehenden Bestandsobjekte in den schlechtesten Klassen F bis H. In Rostock sind es 8,4 und in Dresden neun Prozent. Das bedeutet, dass Käufer dort häufiger energetisch bessere Gebäude finden und seltener sofort umfassend sanieren müssen. Im Süden Deutschlands liegen Städte wie München, Landshut und Freiburg im Breisgau bei ebenfalls guten 15 bis 20 Prozent.
Westdeutsche Regionen zeigen deutlich höhere Problemquoten. In Hamburg fallen 44 Prozent der inserierten Immobilien in die Klassen E bis H, in Düsseldorf 45 Prozent. Bundesweit am höchsten ist der Sanierungsbedarf in kleineren Städten wie Emden (72 Prozent) und Wilhelmshaven (84 Prozent).
Unter den deutschen Metropolen hat Leipzig die Nase vorn. Hier haben nur 15 Prozent der angebotenen Objekte die Klassen E bis H. Berlin liegt mit 33 Prozent im Mittelfeld.
Tendenziell am höchsten ist der Sanierungsstau in strukturschwachen ländlichen Regionen. Im Landkreis Siegen-Wittgenstein (Nordrhein-Westfalen) fallen 70 Prozent der inserierten Wohnimmobilien in die schlechtesten Klassen F bis H. Im Kreis St. Wendel im Saarland sind es sogar 73 Prozent. Hingegen sind das Alpenvorland, das Allgäu, die Bodensee-Region, das Breisgau und der Schwarzwald mit 20 bis 35 Prozent wesentlich besser aufgestellt.
Woher kommen die regionalen Unterschiede?
Ein wesentlicher Faktor ist das Alter des Gebäudebestandes. Typischerweise haben Regionen mit zahlreichen Altbauten aus der Nachkriegszeit oder den 1950er bis 1970er Jahren die schlechtesten Energiekennwerte. In Ostdeutschland wurden allerdings viele Immobilien dieser Altersgruppe nach der Wiedervereinigung im Rahmen von Aufbau Ost saniert. Diese Modernisierungswelle prägt den Bestand bis heute.
Der Süden hat einen vergleichsweise jungen und gut gepflegten Gebäudebestand. Viele Wohngebäude stammen aus den 1970er bis 1990er Jahren. Zu dieser Zeit lagen die energetischen Mindeststandards schon deutlich höher als in den Nachkriegsjahrzehnten. Auch das kühle Winterklima spielt eine Rolle. Je kälter es ist, desto höher sind die Heizkosten und umso eher rechnet sich eine energetische Sanierung.
Was bedeuten die regionalen Unterschiede für Hauskäufer?
In Gegenden, in denen viele Häuser den Energieeffizienzklassen F bis H zugeordnet sind, müssen Käufer oft mit kurzfristigem Sanierungsbedarf rechnen, sei es, um gesetzliche Vorgaben einzuhalten oder um hohe laufende Energiekosten zu umgehen. In Regionen mit überwiegend besseren Energieklassen sind die Kaufpreise zwar häufig höher, dafür ist der unmittelbare Sanierungsdruck geringer. Um unschöne Überraschungen zu vermeiden, sollten Sie:
- den Energieausweis genau prüfen (Klasse, Baujahr, Heiztechnik, Endenergiebedarf)
- langfristige Klimavorgaben berücksichtigen (Je schlechter die Energieeffizienzklasse, desto eher ist die energetische Sanierung verpflichtend.)
- regionale Förderprogramme checken
- einen möglichen Sanierungsstau im Blick haben (Verpflichtende Sanierungsmaßnahmen müssen innerhalb der gesetzlichen Frist abgeschlossen sein. Das Problem, Handwerker zu bekommen, liegt beim Immobilienkäufer.)